Achtung Baustelle, Website in Arbeit – under construction

„Entschuldigung, darf ich Sie was fragen?“ „Ja, was denn?“ Die Frau neben mir unterbrach kurz ihre Arbeit an einer Aquarellskizze. „Wieso malen Sie den Dom von der Rückseite? Der ist doch von vorne viel schöner !“ „Ja, das stimmt schon, aber mir geht es um die gesamte Szene hier. Das ist doch ein einzigartiges Panorama! Der Blick über die Spree hinüber zur Museumsinsel – der Dom gehört eben dazu!“
Da musste ich ihr Recht geben. Ich hatte es mir neben der sympathischen Frau auf den steinernen Rampen am Uferweg im James-Simon-Park bequem gemacht. So gut es eben ging. Ich mochte die Stimmung hier. Es ist einer meiner Lieblingsplätze mitten in der Stadt. Ich war an der S-Bahn Station am Hackeschen Markt ausgestiegen und die paar Schritte am Bahnviadukt mit den Bars entlang und über die Wiese hierher ans Spreeufer geschlendert.
Unterwegs hatte ich mir noch ein Bier im türkischen 24 Stundenladen besorgt. Alle trinken hier Bier. Man fällt auf, wenn man nicht mit einer Flasche in der Hand unterwegs ist. Die Pfandflaschensammler warteten schon darauf, dass man endlich leer getrunken hat.
„Ich habe öfter beruflich in Berlin zu tun. Komme aus Hamburg. Nehme mir einen oder zwei Zusatztage frei. Schau die Stadt an und male zum Privatvergnügen. Muss jetzt aber Schluss machen.“ Erzählte sie mir während sie den Aquarellpinsel mit Wasser aus der Plastikflasche säuberte und zusammen mit den den übrigen Malutensilien in einer mittelgroßen Handtasche verstaute. „Schönen Tag noch…“





Es war kühler geworden. Die Sonne hatte sich hinter die Museumsbauten auf der gegenüberliegenden Spreeseite zurückgezogen. Die Dämmerung hüllte den Park in eine eigentümlich entspannte Stimmung. Lediglich die Züge verbreiteten einen metallisch klingenden Geräuschteppich, wenn sie auf der Bahntrasse zwischen den Museen auftauchten.
Auf den Mauersockeln und auf der Wiese dahinter genossen Pärchen ihren Feierabend. Ich hörte meist lockere Unterhaltungen ohne sie zu verstehen. Gemächlich auf dem ruhigen Wasser vorbeiziehende Schiffe bildeten die stilvolle Kulisse für die Aktivisten auf dem Uferweg. Flaneure, Jogger, gemütliche Spaziergänger. Väter, Mütter und Tanten mit geländegängigen Kinderwagen und ebensolchen Hunden. Hertha BSC Fans in voller Blauweiß Montur. Üppig dekorierte Junge Frauen in Instagram Posen… Italiener, Polen, Spanier, Russen, Ukrainer. Weiblich, männlich und neutral. Ein schillerndes buntes Völkchen auf dem Catwalk. Der Flaschenpfanddealer neben mir stammte aus Rumänien.
Ein junges Pärchen hatte eben seine Outdoor Verstärker für ein elektronisches Serenadenständchen am Weg aufgebaut. Das erinnerte mich daran, dass heute Abend wieder Tanz am Monbijou Park sein würde. Ich machte mich umgehend auf den kurzen Weg hinüber zu der kleinen Tanzbühne…